Starker Rückrundenauftakt für den FC St. Gallen. Gegen ein defensiv löchriges und offensiv harmloses Delémont feiern die torhungrigen Ostschweizer einen fulminanten 6:0-Heimerfolg. Und der Sieg hätte noch höher ausfallen können.
Es gibt Tage, an denen kann auch ein Fussballtrainer ein Spiel völlig relaxt verfolgen und gar geniessen. So einen Tag erlebte FCSG-Trainer Jeff Saibene gegen Delémont. "Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen. Die Leistung hat absolut gepasst und sechs verschiedene Spieler haben die Tore gemacht. Das spricht absolut für uns und die Breite des Kaders", so der Luxemburger, der eigentlich gar nicht viel falsch machen konnte. Delémont, ein Abstiegskandidat, war ein überraschend schwacher Kontrahent. Die Jurassier traten kaum je vor dem St. Galler Goal in Erscheinung und waren in der Verteidigung mit schnell vorgetragenen Angriffen schnell überfordert. Kam noch dazu, dass die Gäste ab der 37. Minute mit einem Mann weniger agieren mussten. Steinmann konnte Abegglen kurz vor der Pause nur noch mit einer Notbremse stoppen. "Wir wussten schon, dass wir noch einige Tore schiessen werden", verrät Verteidiger Philippe Montandon.
Zwei Tore vor der Pause
Der St. Galler Torreigen hatte bereits in der Startphase begonnen: Manuel Sutter brachte die Grün-Weissen auf Vorarbeit von Scarione in Führung. Für den jungen Österreicher war es nicht nur der erste Saisontreffer, sondern auch die erste Nomination für die Espen-Startaufstellung. Überraschend durfte er anstelle von Routinier Regazzoni auflaufen. Trainer Saibene dazu: "Manuel hat sich in der Vorbereitung mit guten Leistungen aufgedrängt – und auch gegen Delémont gezeigt, was er kann." Für den Pausenstand von 2:0 zeigte sich nach etwas mehr als einer halben Stunde der wirblige Franck Etoundi, der mit guter Ballannahme und einem schnellen Sprint an seinem Gegenspieler vorbeiziehen und einschieben konnte.
Kür vor schweigsamem Publikum
Auch nach dem Seitenwechsel dominierte der FC St. Gallen nach Belieben. In der 48. Minute konnte Scarione mehr oder weniger ungestört durchlaufen und das 3:0 erzielen. Kurz darauf markierte Abegglen mit einem Schuss aus rund 23 Metern den nächsten Treffer. Und als Nushi – auch er hatte keinen Bewacher, der sich für ihn verantwortlich fühlte – in der 65. Minute das 5:0 erzielte, war das Publikum verzückt. Verzückt, sofern es sich nicht in der St. Galler Fantribüne aufhielt. Dort wurde auf gesanglichen Support verzichtet, weil der Verein kurz vor dem Spiel eine Verschärfung der Stadionordnung bekanntgegeben hatte. "Es war eine sehr komische Atmosphäre, denn eigentlich brauchen wir die Unterstützung aller Fans", sagte Trainer Jeff Saibene, der im nächsten Atemzug aber auch die Versuche der anderen Tribünen, zumindest etwas Stimmung zu erzeugen, lobte.
Mit dem 6:0 von Joker Bruno Valente fiel der Schlusspunkt in der Nachspielzeit. Regazzoni hatte Sekunden zuvor nur die Latte getroffen. Dann war das genuss- aber wenig stimmungsvolle Match in St. Gallen vorbei. Ein Spiel, welches der FCSG viel höher hätte gewinnen können. Aber auch ein Spiel, das die Kluft zwischen der Fantribüne und deren Interessen gegenüber den "normalen" Zuschauern in den anderen Sektoren eindrücklich offenbarte. Beide Parteien wären gut beraten, schnellstmöglich miteinander an einen Tisch zu sitzen. Dann geht es vielleicht auch bald wieder ohne Geisterheimspiele beim FC St. Gallen…
Geschrieben am 20.2.2012 um 15:25 Uhr von mla