Die grossen Parteien und insbesondere der Dachverband 1879 ziehen in ihren ersten Statements ein eher kritisches Bild von den geplanten Rettungsmassahmen.
FDP: Allfällige Finanzhilfen an konkrete Forderungen knüpfen
Mit insgesamt 6 Millionen Franken sollen sich der Kanton und die Stadt an der Sanierung der maroden Finanzen der AFG-Arena und des FC St.Gallen beteiligen. Für die FDP des Kantons St.Gallen müssen erst drei Grundbedingungen erfüllt sein, bevor eine Hilfe überhaupt ins Auge gefasst werden darf. So braucht es zunächst vollständige Transparenz sowie einen seriösen Businessplan. Zudem dürfen Strukturen und Personen in den Verhandlungen keine Tabuthemen sein.
Was seit Wochen gemunkelt wurde, ist seit heute offiziell. Mit 6 Millionen Franken sollen die Steuerzahler von Stadt und Kanton St.Gallen dem in finanzielle Schieflage geratenen Stadionbetreiber sowie dem FC unter die Arme greifen. Die FDP des Kantons St.Gallen ist sich der grossen gesellschaftlichen Bedeutung des FCSG für die Region durchaus bewusst. Trotzdem müssen aus liberaler Sicht zunächst drei zentrale Forderungen erfüllt sein, damit ein Eintreten auf die Vorlage überhaupt erst geprüft werden kann.
Forderung 1: Sämtliche Fakten gehören auf den Tisch
Die Verwaltungsräte von Stadion, Betriebs-AG sowie der Sport-AG müssen zuallererst vollständige Transparenz schaffen - sowohl in Bezug auf die Höhe der tatsächlichen finanziellen Verpflichtungen als auch hinsichtlich der Aufschlüsselung von Altlasten und des Betriebsdefizits. Wenn die öffentliche Hand erneut rettend eingreifen soll, dann nur auf der Basis aller für einen Entscheid relevanten Fakten.
Forderung 2: Personen und Strukturen dürfen nicht tabu sein
Ein Schuldenberg in zweistelliger Millionenhöhe nach nur etwas mehr als zwei Betriebsjahren lässt ernste Zweifel hinsichtlich der betrieblichen Strukturen rund um die AFG-Arena aufkommen. Das heute bestehende Konstrukt mit drei Aktiengesellschaften und ihren wechselseitigen Finanztransaktionen muss kritisch hinterfragt und gegebenenfalls angepasst werden. Das gleiche gilt für die personelle Besetzung der Verwaltungsräte, die sich unangenehmen Fragen stellen müssen. Aus Sicht der FDP des Kantons St.Gallen darf es auch in personeller Hinsicht keine Tabus geben.
Forderung 3: Ein realistischer Businessplan muss her
Ferner erwartet die FDP von den Stadionbetreibern vor der Beschlussfassung in den Räten einen Businessplan, der aufzeigen soll, wie die AFG-Arena nach einer allfälligen Sanierung durch die öffentliche Hand nachhaltig - sprich schuldenfrei - betrieben werden kann. Aus liberaler Sicht wäre es inakzeptabel, wenn die Steuerzahler in wenigen Jahren erneut zur Kasse gebeten werden müssten.
SVP: Fragwürdige staatliche Unterstützung für den FC St. Gallen
Die SVP nimmt davon Kenntnis, dass die Regierung des Kantons St. Gallen mit einem millionenschweren Rettungspaket die ARENA-Gesellschaften vor dem finanziellen Zusammenbruch bewahren will. Die entsprechende Vorlage wurde den Präsidenten der Kantonsratsfraktionen heute übergeben.
Die SVP hält es grundsätzlich für äusserst fragwürdig, dass Sportvereine und die dazugehörige Infrastruktur und deren Betreiber mit Steuergeldern unterstützt werden soll. Im Übrigen zweifelt sie daran, ob die verantwortlichen Fussballfunktionäre alles getan
haben, um die heutige desolate Finanzlage zu vermeiden. Trotzdem ist sich die SVP des Kantons St.Gallen der Bedeutung des FCSG im Kanton und der ganzen Ostschweiz sehr bewusst. Dazu gehört auch die Infrastruktur, Nachwuchsförderung, gesellschaftliche
Aspekte usw.
Die SVP-Fraktion wird sich vertieft mit der regierungsrätlichen Vorlage befassen und im Rahmen der Debatte im Kantonsrat dazu Stellung nehmen. Klar ist bereits heute, dass das Sanierungskonzept nachhaltig sein muss. Die geforderten Bedingungen in der Botschaft sind zu präzisieren und eventuell auszuweiten. Weitere Informationen wie die
Bilanzen und Erfolgsrechnungen der drei Gesellschaften der letzten 5 Jahre, der vollständige Sanierungsplan, ein umfassender Businessplan etc. sind für die politische Beratung nötig. Ohne diese Unterlagen wird eine finanzielle Unterstützung seitens des Kantons innerhalb der SVP-Fraktion nicht mehrheitsfähig sein.
SP: Alles muss auf den Tisch!
Für die SP ist es schwer vorstellbar, nochmals 4 Millionen Franken in das Projekt AFG-Arena zu stecken. Schliesslich waren die jetzt
aufgetretenen Schwierigkeiten bereits bei der Entstehung vorhersehbar gewesen. Nur dank der damaligen
bürgerlichen Zustimmung zum Projekt konnte der jetzige Schlamassel erst entstehen.
Bevor sich die SP überhaupt mit einer weiteren millionenschweren Unterstützung für die AFG-Arena-Gesellschaften befasst, müssen alle
Fakten auf den Tisch. Die SP fordert einen Businessplan (der den Namen verdient), die Geschäftsberichte inkl. Budgets, Finanzierungsplänen und Rechnungen der letzten Jahre. Zudem sind Alternativszenarien
zum jetzigen Geschäftsmodell aufzuzeigen. Den Status Quo beizubehalten ist für die SP keine Option.
Nicht vergessen: Verzichtsplanung und Sparpakete stehen an
Es ist absolut stossend,
dass einerseits stets von der Finanzknappheit des Kantons gesprochen wird,
weshalb beispielsweise für die Behindertenorganisationen einschneidende
Sparmassnahmen notwendig sein sollen, und andererseits ein solch
undurchsichtiges Geschäft jetzt mit 4 Millionen Franken und später wohl mit weiteren
Beiträgen unterstützt werden soll. Die SP ist der Meinung, dass ohne fundierte Grundlagen, keine derart weitreichenden Entscheide getroffen werden können.
Bedingungen ungenügend
Die Bedingungen von Stadt und Kanton für die Sanierungsbeiträge sind schwammig und ungenügend. Die Strukturen der AFG-Arena-Gesellschaften sind nicht nur zu „bereinigen“ sonder grundsätzliche zu hinterfragen. Auch müssen personelle Konsequenzen geprüft werden. Die SP wird sich nicht mit leeren Versprechungen abspeisen lassen und will volle Transparenz. Dass die Verantwortlichen keine Alternative zu diesem Rettungsplan präsentieren können, ist nicht hinnehmbar. Die SP lässt sich nicht erpressen. Vielmehr interessiert die Frage, woher die Behauptung kommt, der FC St. Gallen würde bei einem Konkurs der Stadiongesellschaften in die erste Liga absteigen. Dies würde wohl nur bei Konkurs der FC St. Gallen AG geschehen. Dieser Gesellschaft soll es aber dem Vernehmen nach (noch) gut gehen.
DV 1879: Finanzspritze ohne genügende Bedingungen
Die seit geraumer Zeit befürchtete Finanznot im Umfeld des FC St.Gallen ist nun Tatsache geworden. Über 16 Millionen Franken müssen investiert werden, um einen Totalkollaps der verschiedenenGesellschaften zu verhindern. Tiefgreifende Veränderungen und harte Bedingungen bezüglich derStruktur sind nicht ersichtlich. Der DV1879 ist masslos enttäuscht von den heute vorgestellten Plänen.Der Dachverband 1879 hatte grosse Hoffnungen in die Sanierungspläne gesteckt und sich darangeknüpfte Bedingungen erhofft, die dem FC St.Gallen ein gesichertes Weiterbestehen ermöglichensollten. Die vorgestellten Pläne sind aber nicht nur unbefriedigend, sie lassen auch für die Zukunft nichts Gutes hoffen. Zu wenig wird geändert, zu viele Fragen bleiben offen.
Die von Stadt und Kanton gestellten Bedingungen sind schlicht zu vage und zu wenig hart hinsichtlich der Organisationsform und der Verantwortlichen. Es wird eine bereinigte, transparente Struktur gefordert. Bereits ist aber auf der Homepage des FCSG das geplante Konstrukt aufgeführt. Es lässt wenig Gutes vermuten. Weiterhin bestehen drei Aktiengesellschaften. Anstatt die Struktur zu vereinfachen, wird ein neues Konstrukt geschaffen, das sogar noch Nachteile gegenüber der alten Lösung bringt. Neu wird die BAG zur FCSG Event AG. Der FC St.Gallen, um den es eigentlich gehen sollte, wird zur Tochterfirma, von der mindestens 51% der neuen FCSG Event AG gehören. Diese wiederum wird zu über 90% in die Hände von privaten Investoren gehen. Die langfristige Ausrichtung des FCSG liegt somit in der Hand von privaten – und noch dazu grösstenteils unbekannten – Investoren, die ihren Spass am FCSG vielleicht bald verlieren.
Schockiert ist der DV1879 über die Tatsache, dass einmal mehr nicht die Verantwortlichen der ganzen Misere zur Rechenschaft gezogen werden. In der BAG sitzen Personen am Ruder, die schon für den Abstieg des FCSG verantwortlich waren. Diese haben nun einen immensen Schuldenberg mitverursacht. Verantwortlich will dafür einmal mehr niemand sein. Stattdessen wird die altbekannte Taktik angewendet, die Schuld den Fans in die Schuhe zu schieben. Es ist blanker Hohn, dass Rainer Siegrist die Sicherheitskosten als Argument für die Finanzprobleme anführt. Nachdem die Fans im Espenblock, die sich bei Spielen im Stadion des FCSG kaum je für Sicherheitsprobleme verantwortlich zeigen, schon mit einer massiven Ticketerhöhung bestraft wurden, sollen sie nun auch daran Schuld sein, dass man die Sicherheitskosten nicht bezahlen kann. Es waren aber nicht die Fans, die mit der Stadt Verträge abgeschlossen haben. Es waren ebenso wenig die Fans, die das Budget für die Zeit nach dem Espenmoos berechnet haben.
Um den Affront gegenüber den Fans komplett zu machen, will man auch die Folgen der Sanierung zumindest teilweise auf ihrem Buckel bewältigen. Der FCSG muss sich in Zukunft am Projekt „Policy gegen Gewalt im Sport“ beteiligen. Diese Policy mag zwar im Grundsatz ein hehres Ziel verfolgen, die darin enthaltenen Massnahmen sind aber weder verhältnismässig noch zielführend. Es wird unter anderem gefordert, in den Stadien nur noch Sitzplätze anzubieten. Der Zusammenhang zwischen Gewalt und Stehplätzen konnte aber noch nie nachgewiesen werden. Im Gegenteil, Sitzplätze stellen in Fanblöcken eher ein Sicherheitsrisiko dar. Zudem wird ein Kombiticket gefordert, dass den Besuch von Auswärtsspielen an die Anreise mit vorgeschriebenen Verkehrsmitteln koppelt. Interessant ist, dass die Verantwortlichen beim FCSG und in dessen Umfeld zwar erkannt haben, dass das Einzugsgebiet „von Winterthur bis Chur“ reicht, dies aber anscheinend nur marketingtechnisch ausnützen wollen. Dass in Zukunft ein in Winterthur wohnhafter Fan erst nach St.Gallen reisen muss, wenn er seine Mannschaft auswärts in Zürich unterstützen will, nimmt man in Kauf. Viele weitere Gründe sprechen gegen diese Policy.
Der DV1879 ist masslos enttäuscht über die vorgestellten Pläne. Wir hätten vom FCSG mehr Mut zu einem wirklichen Neuanfang und von Stadt und Kanton härtere Bedingungen zur Umgestaltung und Umbesetzung der Gesellschaften erwartet. Mit den jetzt vorgestellten „Änderungen“ wird der FCSG in wenigen Jahren am gleichen Punkt angelangt sein. Nur wird dann der FCSG nicht mehr als eigenständige Gesellschaft agieren können, sondern muss sich von der neuen und von Investoren geführten FCSG Event AG vorschreiben lassen, wie die Zukunft aussieht. Seit heute ist der FCSG damit offiziell kein Fussballclub mehr. Seit heute ist der FCSG ein Investitionsobjekt.
Geschrieben am 26.8.2010 um 20:09 Uhr von mla